Nachwort

Persönliche Worte zu Felix

Dieses Nachwort steht am Ende von "Felix - Das kleine Segelboot". Hier ist es vollständig lesbar.

"Vielleicht ist deshalb so viel Meer in diesem Buch. Das Meer kann trennen und verbinden, verschlucken und tragen."

Als ich diese Geschichte zu Ende geschrieben habe, war sie für mich längst mehr als ein Abenteuer über ein kleines Segelboot. In Felix steckt viel von dem, was mich selbst begleitet: Abschiede, die man sich nicht aussucht; Wege, die anders verlaufen als geplant; und diese ruhigen Momente dazwischen, in denen man nicht genau weiß, ob man gerade losfahren oder lieber festmachen möchte.

In meinem Alltag begleite ich Kinder und Jugendliche, deren Leben nicht immer ruhig verläuft. Manche stehen mitten im Sturm, andere sind an Orte gespült worden, an denen sie nie sein wollten. Ich erlebe, wie viel es ausmacht, wenn jemand bleibt, zuhört und sagt: "Du bist mehr als das, was dir passiert ist." Viel von dieser Erfahrung hat seinen Weg in Felix' Reise gefunden - manchmal leise zwischen den Zeilen, manchmal als klare Welle, die einmal durchs Herz geht.

Vielleicht ist deshalb so viel Meer in diesem Buch. Das Meer kann trennen und verbinden, verschlucken und tragen. Es kann laut sein und still. Für mich ist Felix' Fahrt auch eine Geschichte darüber, dass wir mehr sind als unsere Stürme - und dass es eine große Kraft ist, zu wissen, wohin man heimkehren kann, selbst wenn sich "Zuhause" verändert hat.

Und vielleicht liegt es auch daran, dass mein Vater Segler war. Auf seinem Boot habe ich als Kind viele Stunden auf dem Wasser verbracht. Seine Leidenschaft für Wind, Wellen und Häfen hat etwas in mir angestoßen, das bis heute nachklingt - und leise mitgeschrieben, als Felix seine Reise begonnen hat.

Der Tod meines Vaters hat diese Geschichte mitgeprägt. Er war lange ein fester Punkt in meinem Leben, jemand, der gehalten hat, wenn es Wellen gab. Als er ging, musste ich mir neu die Frage stellen: Wo ist mein Hafen? Welche Menschen sind jetzt meine sicheren Ufer? Und was in mir trägt mich weiter, wenn außen vieles ins Rutschen kommt?

Felix' Muschel, sein Lied und sein Weg nach Möwenwinkel sind für mich Bilder dafür, dass Erinnerung nicht nur wehtut, sondern auch tragen kann. Dass man weitergehen darf, ohne das Alte zu verraten. Und dass Heimkehr nicht bedeutet, alles wird wie früher, sondern: Ich darf mit dem, was ich erlebt habe, wieder irgendwo ankommen.

Wenn du dieses Buch gelesen hast und irgendetwas darin für einen Moment mit deinem eigenen Leben resoniert hat - ein Satz, ein Bild, eine Szene -, dann hat Felix seinen Zweck erfüllt.

Ich wünsche dir Menschen an deiner Seite, die ein bisschen sind wie Noah, Udula Gudula oder Kaelia: die mit dir durch den Nebel gehen, dir ehrlich widersprechen und dich trotzdem nicht verlassen. Und ich wünsche dir einen Hafen wie Möwenwinkel - und den Mut, loszufahren, wenn dein eigenes Lied dich ruft.

Das Meer hört zu. Immer.

- Mike Ahrens